Refinanzierung von Krediten

26.08.2013 von
Wie refinanzieren sich Kredite? Dies und vieles weitere, wird in dieser Wikithek zum Thema Finanzen geklärt und beschrieben.

Als Refinanzierung bezeichnet man die Mittelbeschaffung von Kreditinstituten für die eigene Vergabe von Krediten. Entsprechende Möglichkeiten bieten der Geldmarkt und der Kapitalmarkt. Einige davon sollen an dieser Stelle kurz erläutert werden:

  • Hauptrefinanzierungsgeschäfte (HRG): Kreditinstitute können sich per Offenmarktgeschäft über deren nationale Zentralbanken Geld leihen. Über HRG wird dem europäischen Finanzsektor der größte Teil des Refinanzierungsvolumens bereitgestellt. Der Hauptrefinanzierungszins (main refinancing operations, oder auch "Leitzins") der EZB bestimmt dabei die Konditionen. Seit dem 2. Mai 2013 liegt er bei 0,50 Prozent. HRG kommen jedoch nur für Geschäftspartner in Frage, die am sog. Mindestreservesystem des Eurosystems teilnehmen. Diese verlangt die Hinterlegung einer notenbankfähigen Sicherheit (Pflichteinlage) von aktuell 2% des aufgenommenen Kapitals bei der jeweiligen nationalen Zentralbank.
  • Einlagenfinanzierung: Bei dieser unmittelbaren Form der Refinanzierung verwendet ein Kreditinstitut die Spareinlagen (Tagesgelder, Sparkonten, etc.) von Kunden und reicht sie selbst als Kredit weiter. Da diese meist variabel verzinst sind, ist diese Form der Refinanzierung eher für kurzfristige oder variabel laufende Darlehen geeignet, da Banken das Zinsänderungsrisiko möglichst gering halten wollen.
  • Gedeckte Schuldverschreibungen und Pfandbriefe: Gedeckte Schuldverschreibungen sind eine beliebte Form der Refinanzierung in Deutschland. Banken emittieren Wertpapiere am Kapitalmarkt, wobei Immobilien die Sicherheit für den Käufer dieser Wertpapiere darstellen. Pfandbriefe sind eine Unterform der gedeckten Schuldverschreibung und sind als sehr sicher einzuordnen. Als Deckungsmasse für Pfandbriefe dürfen lediglich 60 % des Beleihungswertes der entsprechenden Hypotheken eingesetzt werden. Desweiteren erwirbt der Inhaber eines solchen Hypothekenpfandbriefes neben den Rückflüssen aus dem Darlehen auch ein Anspruch auf das Grundstück und die Immobilie. Ende 2010 waren in Deutschland ca. 228 Mrd. Euro an Hypothekenpfandbriefen im Umlauf, das entspricht etwa einem Fünftel aller in Deutschland vergebenen Hypothekendarlehen, wobei über zwei Drittel davon eine Laufzeit von mehr als fünf Jahren hatte. Dies ermöglicht Banken die Vergabe von längerfristigen Krediten, wie z.B. Immobiliendarlehen, fördert aber auch zugleich einen gewissen Einsatz an Eigenkapital, da bei höherem Beleihungsauslauf der Zinssatz für den Kreditnehmer steigt.
  • Verbriefung: Eine hauptsächlich im angelsächsischen Wirtschaftsraum verbreitete Form der Refinanzierung, welche sich in einigen wesentlichen Punkten (z.B. Haftung) von der gedeckten Schuldverschreibung unterscheidet.
  • Interbankenhandel: Eine weitere Form der Refinanzierung am Kapitalmarkt stellt der sog. Interbankenhandel dar. Gemeint ist der Handel mit Geldinstrumenten zwischen Kreditinstituten, wobei Geschäfte mit einer Zentralbank nicht dazu zählen. Liquiditätsbeschaffung und Risikoverteilung sind wesentliche Ziele des Interbankenhandels. Dieser ist jedoch seit der letzten Finanzmarktkrise fast gänzlich zum Erliegen gekommen, da durch die Insolvenz von Lehmann Brothers ein großer Vertrauensverlust zwischen Banken entstand. Überschüssige Liquidität wird stattdessen aktuell eher bei Zentralbanken angelegt (Einlagenfazilität), dort besteht kein Erfüllungsrisiko.